„Warum #Flattr die Bloglandschaft nich revolutionieren wird“

Auch ich bin im Moment noch bei einem Budget von 2€ und werde das weiter testen. Allerdings achte ich darauf, nicht “zu viele” im Monat zu flattrn, damit die Summe am Ende noch halbwegs relevant ist. Im letzten Monat habe ich mich zum Beispiel streng daran gehalten nur 4 Blogs zu flattrn, damit für jeden 50ct übrig bleiben.

Den Lotto-Gewinn durch einen Artikel halte ich für eher unwahrscheinlich. Schauen wir uns die Top Flattr Dinge bei Flattr an dann sind da zum Beispiel das Chaosradio Express mit aktuell 666, netzpolitik 330 und fscklog mit 291 Flatts (heißt das so?). Alles Blogs die für ihr jahrelanges Gesamtwerk geflattert wurden.
Gehen wir mal von einem Mittelwert von 0,30 Ct pro Flatt aus sind das zum Beispiel fürs CRE 199,80 €. Immerhin, aber das ist der absolute “Marktführer” mit einer für diese Technik sehr offenen Zielgruppe.
Nun stellt sich weiter die Frage, ob diejenige die CRE flatterten, dass jeden Monat tun werden? Oder lediglich jetzt zu Beginn einmal als Dankeschön, das dann erst einmal für eine Zeit andauert. (“Dem hab ich jetzt einmal was gegeben, jetzt ist erst einmal jemand anderes dran”).

Kommt nun ein kleines Blog mit einem straken Artikel, wieviel Flattr-Klicks kann das dann provozieren?
Meine meistgeflatterten Artikel sind im Moment
“Flattr: Die Dankbarkeitsökonomie” (http://bit.ly/dankoeko) und “taz.de nimmt flattr auf” ( bit.ly/do00FK) (Auch noch so ein Punkt, dass im Moment vor allem die Beiträge mit Flattr als Topic die meisten Flatts generieren) mit 18 und 15 Klicks. Die Beiträge waren für meine Blogverhältnisse gut verlinkt und gelesen (carta, turi2, du, und andere: http://rivva.de/374m). Leider habe ich noch keine Abrechnung für den letzten Monat, weshalb ich nun noch keine Zahlen dazu nennen kann, aber nehmen wir das Beispiel von oben, ist klar das dabei nicht viel rumkommen wird.

Interessanter sind da wahrscheinlich die Flattr-Einnahmen z.B. von Spreeblick. Sie tauchen nicht in den All-Time-Top5 der Flattr Klicks auf, weil hier nicht das ganze Angebot, sondern eben auch jeder Artikel für sich geflattert wird. Sacennt man hier einmal über das Profil (https://flattr.com/profile/spreeblick) wird deutlich, dass dort immer wieder Beiträge mit über 20-30 oder auch 70 Flatts auftauchen. (Auch hier sind die meist geflatterten wieder diejenigen, die Flattr selbst thematisieren.)

Da kann im Monat schon etwas zusammen kommen, weil hier eben auch nicht das einmalige Dankeschön forciert, sondern immer wieder das “Like” für einzelne gut geschriebene Beiträge provoziert wird.

Der Punkt ist also, dass ein einmaliger guter Beitrag nicht ausreicht wirklich astronomische Einkünfte zu generieren. Es bleibt, was beim Bloggen schon immer galt: Nur lange, kontinuierliche Arbeit auf höchstem Niveau zahlt sich irgendwann aus.

Das Problem, dass ich dabei sehe, dass mit der momentanen Verbreitung dann Flattr quasi als Umverteilungsmaschine von den kleinen Blogs zu den großen funktioniert. (Die vielen kleinen flattrn die wenigen großen, bei denen dann der “Gewinn” hängen bleibt.) Auch das ist nichts Neues und muss deshalb nicht unbedingt beweint werden. Aber es zementiert eben den Zustand, dass auch in Zukunft nur ganz wenige vom Bloggen werden leben können. Man darf sich hier eben keine flaschen Hoffnungen machen

Der Vorteil von Flattr, den ich auch an anderer Stelle schon hervorhob (http://bit.ly/dankoeko), ist, dass nun auch Blogs, die vorallem mit eigenen Textbeiträgen arbeiten etwas zurückbekommen können.
Bislang war die gültige Währung die Links, die man von außen bekam und da fiel es Tumblelogs mit 7-8 Videofundstücke am Tag eben leichter diese über die Zeit anzuhäufen, als einem Blog, dass vielleicht nur einmal die Woche einen dafür längeren Text veröffentlichte.
Für diese Blogs tut sich nun eine Möglichkeit auf auch zu profitieren, eben grade durch ihre “aufwändigeren Beiträge”
(Ich will wirklich keine Tumblelogs diskreditieren, ich weiß auch das ist jede Menge Arbeit und bringt mir selbst auch jede Menge Spaß) für die Menschen vielleicht eher bereit sind Geld zu bezahlen. Deshalb begrüße ich zum Beispiel auch die Initiative von Jeriko (http://bit.ly/doijES) erst einmal keinen Flattr Button einzubinden. (Hier könnte man überlegen Flattr-Buttons für das “Gesamtwerk” und nicht für einzelne Beiträge zu etablieren)

Was ist also mein Punkt: Die Bloglandschaft wird sich durch Flattr wahrscheinlich nicht revolutionieren, nicht schlimm, aber man darf sich da eben keine flaschen Hoffnungen machen.
Entscheidend bleibt bei allen Mutmaßungen natürlich die weitere Entwicklung Flattrs. Wie wird es sich durchsetzen? Wie wird der Alltagsgebrauch aussehen? (Das neue “Like”?)

An Ausschüttungen in Lottohöhe glaube ich jedenfalls nicht.

// Das war jetzt glaube ich mein längster Kommetar in einem Blog ever, ich finde dafür könntet ihr mich Flattrn. 😉

Das ganze war eigentlich ein Kommentar zu Robert Basics Umfrage über das Flattr Budget. Wer das ganze flatternswert findet, darf das gerne tun: 

0 Gedanken zu „„Warum #Flattr die Bloglandschaft nich revolutionieren wird“

  1. Ich weiß nicht, ob Flattr anstrebt, die Bloglandschaft zu revolutionieren. Eher kann es eine nette kleine Entlohnung werden für all diejenigen, die ihre Zeit und Gedanken ins Bloggen investieren, aber selten was Materielles rausbekommen.Bei mir hat das Einbinden des Buttons übrigens nicht ganz funktioniert, und ich bin ehrlich gesagt nicht traurig drum. Denn was ist, wenn mich keiner flattrert? (Schreibt man das so?)

  2. Hmmm, ich denke das Potenzial als Bewertungsmechanismus, das in Micropayment liegt, ist nicht zu unterschätzen. Vielleicht revolutioniert ein weit verbreitetes Micropayment nicht die Verteilung des Geldes unter Bloggern. Aber es könnte erheblich zur Qualitätssteigerung und besuchergruppengerechten Erstellung & Verbreitung von Inhalten beitragen. Es würde sich endlich das "tatsächlich inhaltlich Gute" vom "vielleicht ist es gut, aber vielleicht ist es auch bloß empörend aufmerksamkeitserregend" abheben. Etwas mehr, als bloß "I like".

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